ER CHEN WAN

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ER CHEN WAN – F27

Diesmal möchte ich eine Rezeptur vorstellen, die aus dem alten China kommt, eine der großen traditionellen Rezepturen, eine einfache Rezeptur aus nur vier Bestandteilen. Eine Rezeptur – das Er Chen Wan – das zweifach behandelte Dekopt, das Dekopt der Abgestandenen, zwei Abgestandenen, was sich auf den oberen San Jiao, den oberen Erwärmer und den mittleren San Jiao, den mittleren Erwärmer bezieht. Die vier Bestandteile dieser Rezeptur sind als Leitdroge, als Herrscherdroge, das Ban Xia – das Rhizoma Pinelliae, als Ministerdroge das Chen Pi, die Pomeranzenschale – Pericarpium Citri, als Unterstützer das Fu Ling – das Poria, und als Puffer auf der unteren Ebene ist das Gan Cao, was uns aus anderen Rezepturen ja bereits bekannt ist.

Gucken wir uns die Drogen im Einzelnen einmal an. Ban Xia, der Mitsommerkolben auf Deutsch, ist eine scharf-brennende Substanz, eine warme Substanz, der Tropismus ist Milz, Lunge und Magen, hat eine Schleim transformierende Wirkung, senkt rebellierendes Qi nach unten, trocknet Nässe und transformiert Schleim, senkt rebellierendes Qi und löst Knoten.

Die zweite Droge, das Chen Pi – das Pericarpium Citri Reticulatae – hat eine, das ist die Pomeranzenschale, bitter-scharfe Geschmacksrichtung, ist vom Temperaturverhalten warm, hat einen Tropismus zur Lunge, Magen und Milz, wirkt Qi regulierend, Qi bewegend, hat eine ein bisschen Qi absenkende Wirkung, auch hier wieder das rebellierende Prinzip was nach unten geleitet wird, reguliert das Qi der Mitte, trocknet Nässe, transformiert Schleim.

Und die dritte Droge in diesem Konzept ist das Fu Ling Poria – der Baumpilz, der süß bis geschmacklos ist, vom Temperaturverhalten neutral ist, den Hauptbezug zu Herz, Lunge, Blase, Milz hat, fördert die Uruese, ein relativ potentes Diuretikum, leitet dementsprechend nach unten, leitet Nässe aus, hat darüber hinaus eine Milz tonisierende Wirkung, eine Milz stärkende Wirkung, eine harmonisierende Wirkung und sediert den Chen – den Geist.

Und als Puffer der bekannte Gan Cao – das Süßholz, da sagt der Name schon vom Geschmack her süß, vom Temperaturverhalten neutral, Bezug zu Herz, Milz, Lunge und Magen, wirkt ein bisschen mild tonisierend, ein bisschen Qi auffüllend, Stärkung der Mitte, vermehrt etwas das Qi, ein mildes Tonikum, eine leicht entgiftende Wirkung, deshalb wird es häufig als Puffer mit eingesetzt, befeuchtet den Lungenfunktionskreis und leitet auch Schleim mit ab.

Also wenn wir uns die Rezeptur insgesamt angucken, dann ist die klassische Indikation des Er Chen Wan die Schleim-Nässe Akkumulation. Welche Symptome würde ich bei dem Patienten erwarten? Erschöpfung, Appetitlosigkeit, Druck im Oberbauch, saures Aufstoßen, Druckgefühl nach dem Essen im Oberbauch. Wie würde ich das Ganze klinisch bestätigen können aus Sicht der chinesischen Medizin? Der Zungenkörper ist geschwollen, gedunsen, häufig mit Zahnabdrücken, der Zungenbelag fast pathomonisch mit einem vermehrten dicken, weißlichen Belag auf der gesamten Zunge, der Puls – wir haben einen Füllepuls und damit einen schlüpfrigen Puls und wenn wir dann auf die Gesamtindikation gehen würden aus westlicher Sicht, wo würden wir das Er Chen Wan einsetzen? Anwendungsbeispiele wären der Gastroösophageale Reflux, der GÖR, wäre die Gastritis, wären asthmatische Beschwerden mit vermehrter Schleimproblematik im oberen San Jiao, bestimmte Formen von Schwindel, viele Formen von Tinnitus, aber auch Depressionen, Adipositas, Lipome oder auch die Arteriosklerose.