JIA WEI GOU TENG WAN

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JIA WEI GOU TENG WAN – F26

Die Rezeptur, die ich vorstellen möchte, ist eine Rezeptur aus dem Holzelement – Holzelement, Leber – und Gallenblase, ist das Jia Wei Gou Teng Wan. Besänftigt inneren Wind, Gou Teng, die Leitdroge, die den Hauptbestand dieser Rezeptur ausmacht, hat der Rezeptur auch den Namen gegeben, also die Uncaria Pille. Hochschlagendes Leber-Yang bei zu Grunde liegender Nierenschwäche, die Hauptindikation für diese Rezeptur. Also die Leber wird gestärkt, die Nieren werden gestärkt, innerer Wind wird besänftigt, die Leber beruhigt und etwas fürs Blut getan – Blut ist ja ein wichtiger Bestandteil des Holzelements – auch das Blut wird gestärkt und vor allen Dingen bewegt.

Es gibt eine Fülle von Pathologien, die sich mit Leber auseinandersetzen, die Leber per se kennt keinen Leber-Qi-Mangel, wo leere Situation, das ist der Leber-Blut-Mangel. Die einfachste Rezeptur für den Leber-Blut-Mangel ist das Vier-Sachen-Dekokt, das Si Wu Tang.

Häufiger in der Leber sind die Fülle-Situationen. Die klassische Fülle-Situation der Leber ist die Leber-Qi-Stagnation, wenn es die einfache Leber-Qi-Stagnation ist, würde mann das Vier-kalte-Extremitäten-Pulver, Vier ist Si, das Si Ni Tang, ein gegenläufiges Pulver empfehlen, oder auch das Bupleurumdekokt, was die Leber verteilt.

Dann gibt es die Situation wo das Leber-Feuer ist, wo das Leber-Feuer nach oben gezogen wird, häufig mit einer Hitze-Situation im unteren San Jiao, im unteren Erwärmer, da wäre das die Radix Gentianae Pille, das die Leber verteilt, die Leber entlastet, das Long Dan Xi Dan Tang, oder womit wir uns jetzt beschäftigen wollen diese Rezeptur, der innere Leber-Wind, die Leber-Fülle-Situation, das aufsteigende Leber-Yang – das Jia Wei Gou Teng Wan und schließlich natürlich Fülle in der Leber, Fülle in der Milz, die Holz-Erde-Disharmonie, das berühmte Xiao Yao Wan.

Gucken wir uns die Substanzen einmal im Einzelnen an. Namensgebend – das hatte ich schon gesagt – ist das Gou Teng, ramulus uncariae, unterstützt wird das Ganze von der fructus gardeniae, dem Zhi Zi, Radix scutellariae, Herba leonuri, radix und ramulus traxili , caulus poligoni und dem Poria – dem Fu Ling.

Die Leitdroge gucken wir uns ein bisschen genauer an, die Ramulus – die Zweige – uncariae, süß vom Gerschmack her, vom Temperaturverhalten – also wir haben eine Hitzesituation – also eine kühlende Wirkung der Leitdroge, Haupttropismus vom Gou Teng ist natürlich die Leber, aber auch ein bisschen das Perikat, die Hauptwirkrichtung ist das Besänftigen vom hochschlagenden Leber-Yang, es ist eine Krampf lösende Wirkung, Krampf immer was mit dem Holzelement zu tun, reduziert inneren Leber-Wind und klärt Hitze (ein kühlendes Element), klärt Hitze aus dem Holzelement.

Zweitwichtigste Substanz ist das Zhi Zi, das fructus gardeniae, die chinesische Gelbbeere, bitter vom Geschmack, auch diese ist kühl bis kalt vom Temperaturverhalten, Haupttropismus Herz, Lunge, also der obere San Jiao, aber auch Leber, Magen, Gallenblase, und der gesamte dreifache Erwärmer, der gesamte San Jiao. Hat eine Hitze drainierende Wirkung, eine nach unten leitende, hinabführende Wirkung. Also leitet Hitze ab, eliminiert Unruhe, klärt Hitze, klärt Nässe, leitet Nässe aus, kühlt das Xue – das Blut und eliminiert Toxine.

Wenn wir uns das ganze Dekokt nochmal angucken, können wir sagen, die Indikation ist das hochschlagende Leber-Yang bei zu Grunde liegender Nierenschwäche, es beruhigt die Leber, es stärkt die Leber, es stärkt die Niere und besänftigt inneren Leber-Wind. Die Symptome, die wir erwarten würden für diese Rezeptur wären die klassischen Zeichen des hochschlagenden Leber-Yangs, also Kopfschmerzen, Spannungskopfschmerzen, Schwindel, Drehschwindel, Vertigo, Tinnitus, Krämpfe, Zuckungen, Tics, Zittern, Zittern auch in der Stimme, Zittern der Zunge, Schlaflosigkeit, vor allen Dingen eben die Durchschlafprobleme, Unruhe bis hin zum Zeichen des zentralen Nervensystems Hemiplegie und Taubheitsgefühle der Extremitäten.

Was würden wir von der chinesischen Untersuchung erwarten? Wie wäre der Zungenkörper? Die Zungenränder – Gallenblase, Leber – wären rot, häufig prominent, häufig aufgeworfen, gelegentlich kann der gesamte Zungenkörper auch leicht geschrumpft sein. Der Zungenbelag meist unauffällig, unter Umständen durch Beginn der Hitzezeichen etwas gelblich. Was würden wir vom Puls erwarten? Der wäre in der Jun Guan, in der Position zwei, eher ein bisschen straff, gespannt, drahtig, in der Position drei häufig kraftlos, schwach zu tasten.

Anwendungsbeispiele für die Rezeptur wären Hypertonie, Spannung der Muskeln, der Blutgefäße, die sind ja wie Muskelgefäße, also Hypertonus häufig mit dem Leberelement zu tun, chronische Cephalgien, Migräne, aber auch Parkinson, Trigeminusneuralgie, transitorische ischämische Attacken, die TIAs, Apoplex, Aphasie, Apraxie, Epilepsie, Vertigo, hatten wir ja schon erwähnt, Tinnitus, oder auch LWS-Probleme, die da auftreten können.

Je nach Ausbildung des Krankheitsbilds kann die Pille kombiniert werden mit anderen Variationen, wenn wir ein sehr akutes, fulminantes Bild haben, würden wir die Variante Anemaranae und philodendron mit dazu nehmen. Wenn wir eine massive Hitze-Situation dazu hätten, würden wir Anemaranae und philodendron mit da rein nehmen. Wenn wir eine schwache Nieren-Situation, ein schwaches Nieren-Yin hätten, könnten wir gleichfalls Anemaranae und philodendron mit dazu nehmen.